Wie fühlt es sich an, den Mut zu haben, für andere einzustehen – und wo beginnt dieser Mut im Alltag? Mit Fragen wie diesen im Gepäck starteten unsere Schülerinnen und Schüler in den diesjährigen Projekttag „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ am 24.3.26.
Film, Fragen, Haltung – Projekttag der EF im Rahmen von „Schule ohne Rassismus/Schule mit Courage“
Was passiert, wenn Schüler:innen nicht nur einen Film sehen, sondern mit ihren eigenen Fragen in ein komplexes gesellschaftliches Thema gehen und ernst genommen werden? Am Projekttag von Schule ohne Rassismus/Schule mit Courage wurde genau das sichtbar.
Bereits vor der Filmschau von „Kein Land für Niemand“ hatten Schüler:innen der EF eigene Fragen entwickelt zu Flucht, Migration und Seenotrettung. Diese Fragen bildeten nicht nur den Einstieg, sondern auch den roten Faden für die anschließende Auseinandersetzung. Sie reichten von grundlegenden Fragen wie, warum Menschen überhaupt fliehen, wie Flucht konkret verläuft oder warum Deutschland für viele ein so wichtiges Ziel ist, bis hin zu differenzierten Perspektiven, etwa warum das mediale Bild von Migration oft so einseitig erscheint, warum überwiegend Männer fliehen oder was heute konkret besser gemacht werden kann.
Der Film griff viele dieser Fragen auf, insbesondere zu den Ursachen von Flucht und zum Umgang der Europäischen Union mit Migration. Er eröffnete Einblicke, die über abstrakte Diskussionen hinausgehen, und machte deutlich, wie komplex die Realität von Flucht ist.
Im Anschluss an die Filmschau fand eine Podiumsdiskussion statt, in der Schüler:innen ihre Fragen einbringen konnten. Auf dem Podium waren Schüler:innen der EF, ihre Stufenleiterin Frau Weise, Jörg Simon vom Jugendamt, Ayman Ryari vom Kinder- und Jugendrat sowie Yvonne Marchewitz (Seenotrettungsorganisation Sea-eye e.V.) vertreten. Moderiert wurde die Veranstaltung von Frau Tatargioti. Dabei zeigte sich eine bemerkenswerte Tiefe der Auseinandersetzung. Die Diskussion blieb nicht an der Oberfläche, sondern nahm strukturelle Zusammenhänge in den Blick. Antworten wurden differenziert und nachvollziehbar entwickelt, und die Schüler:innen zeigten ein hohes Maß an Reflexionsfähigkeit und Interesse. Besonders intensiv wurde über die Rolle der Medien in der Darstellung von Migration gesprochen, ebenso über strukturelle Gründe für Fluchtbewegungen und die Frage nach Verantwortung, sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene.
Im Verlauf der Diskussion verschob sich der Fokus sichtbar von der reinen Informationssuche hin zur Frage, welche Haltung wir zu diesem Thema entwickeln. Dabei wurde deutlich, dass es keine einfachen Antworten gibt, wohl aber die Möglichkeit, sich informiert, differenziert und verantwortungsbewusst zu positionieren.


Auffällig war jedoch auch, dass sich bestimmte Deutungen als besonders stabil erwiesen. So wurde die Frage, ob Deutschland vor allem wegen vergleichsweise guter Sozialleistungen als Ziel gewählt wird, wiederholt aufgegriffen, obwohl der Film hierzu differenzierende Einblicke und auch gegenteilige Fakten gegeben hatte. Die Diskussion kehrte an mehreren Stellen zu dieser Annahme zurück. Daran zeigte sich, dass gesellschaftliche Debatten und bestehende Überzeugungen auch im schulischen Raum präsent sind und sich nicht immer unmittelbar durch Fakten verändern lassen.
Einen besonders eindrücklichen Moment stellte der Beitrag von Schüler:innen dar, die selbst Fluchterfahrungen mitbringen. Ihre Perspektiven machten die zuvor diskutierten Inhalte auf eine sehr unmittelbare Weise greifbar. In der Aula entstand spürbar Ruhe, die Aufmerksamkeit war hoch, als davon gesprochen wurde, dass Flucht oft keine individuelle Entscheidung ist, sondern innerhalb von Familien getroffen wird, die unter extremem Druck stehen. Dabei gehe es nicht selten darum, wer die größten Chancen hat, die gefährliche Reise zu überleben und später die Familie zu unterstützen. In vielen Fällen würden daher Männer geschickt, weil ihnen unter den gegebenen Bedingungen eher zugetraut wird, die Flucht körperlich zu bewältigen, während Frauen aufgrund der besonderen Risiken als schutzbedürftiger gelten.
Der Projekttag hat gezeigt, was Schule leisten kann: einen Raum für echte Fragen zu schaffen, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und Schüler:innen darin zu stärken, sich eine eigene reflektierte Haltung zu erarbeiten.


Ein Aussteiger der rechtsextremen Szene appelliert an Jahrgang 9
Mit den Themen Extremismus, Gewalt und Zivilcourage setzte sich Jahrgang 9 im Rahmend des Courage-Tages auseinander. Für die Schülerinnen und Schüler fand in diesem Zusammenhang ein besonderer Vortrag statt. Dazu war ein ehemaliger Rechtsextremist zu Gast. Offen berichtete er von seinem Lebensweg und seinem Ausstieg aus der Szene. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die Auseinandersetzung mit persönlicher Verantwortung. Eindrücklich machte er deutlich, dass jeder Mensch für seine eigenen Entscheidungen verantwortlich ist, unabhängig von äußeren Einflüssen. Seine Biografie zeigte, welche schwerwiegenden Folgen falsche Entscheidungen haben können, aber auch, dass Veränderung und ein Neuanfang möglich sind. Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Bedeutung von Zivilcourage im Alltag. Anhand seiner eigenen Erfahrungen betonte er, dass Schweigen bei Unrecht nicht neutral ist, sondern oft bedeutet, dieses indirekt zu unterstützen. Gerade im Zusammenhang mit Mobbing wurde deutlich, wie wichtig es ist, Haltung zu zeigen, sich für andere einzusetzen und die eigene Meinung zu äußern, anstatt sich einfach den Ansichten anderer anzuschließen. Der Vortrag bot den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich kritisch mit diesen Themen auseinanderzusetzen und eigene Haltungen zu reflektieren. Er stellte damit einen wichtigen Beitrag zur Wertebildung und Präventionsarbeit an unserer Schule dar.
Jahrgang 6 setzt sich kritisch mit Rassismus damals und heute auseinander
Der Jahrgang 6 setzte sich intensiv mit den Themen Rassismus und Alltagsrassismus auseinander. Die Schülerinnen und Schüler gingen zunächst der Frage nach, was Rassismus eigentlich bedeutet und wie er uns im Alltag begegnen kann.
Im weiteren Verlauf beschäftigten sie sich mithilfe eines Comics mit dem Rassismus zur Zeit des Nationalsozialismus. Um einen noch persönlicheren Zugang zu diesem Thema zu erhalten, schauten sie einen Ausschnitt aus der Serie Krieg und ich und begleiteten das Leben des gleichaltrigen Anton in dieser schwierigen Zeit. Die Eindrücke bewegten die Kinder sehr und regten zum Nachdenken an.
Den Abschluss bildete ein gemeinschaftlich gestaltetes Puzzle, in dem die Schülerinnen und Schüler festhielten, wie sie sich selbst für andere einsetzen und Solidarität im Alltag zeigen können.



Weitere Projekte des Tages waren:




