Demokratie lebt vom Mitmachen – und genau das möchten wir unseren Schülerinnen und Schülern von Anfang an vermitteln. Demokratieerziehung ist deshalb ein zentraler Bestandteil unseres Schullebens. Wir wollen junge Menschen dazu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen, ihre Meinung zu äußern, andere Perspektiven zu respektieren und sich aktiv für eine offene, tolerante Gesellschaft einzusetzen.
Wir tragen das Siegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ – dieses Zeichen steht nicht nur an unserer Eingangstür. Alle Mitglieder unserer Schulgemeinschaft übernehmen Verantwortung dafür, dass Ausgrenzung, Rassismus und jede Form von Diskriminierung bei uns keinen Platz haben.

In der Anne-Frank-AG setzen sich Schülerinnen und Schüler mit Themen wie Zivilcourage, Menschenrechten und Erinnerungskultur auseinander.
Durch Projekte wie die „Stolpersteine“ halten wir die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus lebendig und machen Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar.
Auch die Teilnahme an den Juniorwahlen ermöglicht es unseren Schülerinnen und Schülern, demokratische Prozesse hautnah zu erleben und Politik praktisch zu begreifen.
Anne-Frank-AG
Besuch im Anne-Frank-Haus: Eine eindrucksvolle Reise in die Geschichte
Im Rahmen des Iserlohner Projekts „Anne Frank und jüdisches Leben in Iserlohn“ hatten Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Seilersee gemeinsam mit anderen weiterführenden Schulen die Möglichkeit, das Anne-Frank-Haus in Amsterdam zu besuchen.

Die Exkursion bot den Teilnehmenden einen tiefen Einblick in das Leben von Anne Frank und das Schicksal jüdischer Familien während der NS-Zeit. Besonders beeindruckt zeigte sich die Schülerin Leni: „Ich bin beeindruckt, wie sich Anne Frank mit ihrer Familie Jahre lang im Hinterhaus versteckt hat. Außerdem, dass sie alle ihre Gedanken und Gefühle in ein Tagebuch geschrieben hat. Sie hatte Ziele und wollte ein Buch veröffentlichen und ich finde es schön, dass man ihren Wunsch erfüllt hat.
Die Fahrt nach Amsterdam war ein wichtiger Bestandteil des Projekts, das darauf abzielt, Jugendliche für die Erinnerungskultur zu sensibilisieren. In den kommenden Monaten werden sich sogenannte Peers – darunter auch Schülerinnen und Schüler unserer Schule – intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Sie werden in den Iserlohner Luftschutzstollen Besucherinnen und Besucher über das Leben von Anne Frank sowie über das Schicksal jüdischer Familien aus Iserlohn informieren. Eine großformatige Fotoausstellung wird das Projekt ergänzen.
Wir sind stolz darauf, dass unsere Schule Teil dieses wichtigen Projekts ist und bedanken uns bei allen Beteiligten für ihr Engagement.
Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage
Hier ein Bericht unseres letzten Couragetags im März 2025
Wie sieht Heimat aus? Was bedeutet Vielfalt? Und was kann jede:r Einzelne gegen Rassismus und Diskriminierung tun? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des diesjährigen Couragetags an der Gesamtschule Seilersee am vergangenen Freitag. In allen Jahrgangsstufen setzten sich die Schüler:innen auf vielfältige Weise mit Themen wie Identität, Diskriminierung, Erinnerungskultur und gesellschaftlichem Zusammenhalt auseinander.
Bereits in Jahrgang 5 ging es persönlich los: In einer sogenannten Heimatrunde brachten die Kinder Gegenstände mit, die sie mit ihrer Heimat verbinden – oft symbolisch, manchmal emotional, manchmal überraschend schlicht. So wurden etwa ein Anhänger der heimischen Eishockey-Mannschaft, ein Mascarpone-Becher, Türkeifähnchen oder ein getragenes Deutschland-Trikot gezeigt.



Viele Schüler:innen brachten auch zwei Gegenstände mit – etwa ein Deutschlandtrikot und einen Frankreich-Reiseführer – und machten damit sichtbar, dass Heimat für viele mehr als nur ein Ort ist: ein Ausdruck hybrider Identitäten.
Auch Lehrkräfte beteiligten sich, sodass ein lebendiger Austausch über Herkunft, Zugehörigkeit und Mehrsprachigkeit entstand.
Anschließend reflektierten die Kinder im Stuhlkreis den Film Almanya – Willkommen in Deutschland*, der Migration aus Sicht einer türkischstämmigen Familie erzählt.
Der 6. Jahrgang hat sich in Rückbezug auf die historische Stadterkundung Iserlohns mit Rassismus und Antisemitismus im Nationalsozialismus mittels des Films Anton will in die Hitlerjugend auseinandergesetzt und im Anschluss Rollenspiele zum Thema Alltagsrassismus durchgeführt.
In Jahrgang 7 stand das Thema Gastarbeiterschaft im Mittelpunkt eines interaktiven Workshops in Kooperation mit dem Demokratiekino von tellerohnerand e.V.. Die Schüler:innen erfuhren, wie Arbeitsmigration die Geschichte Deutschlands geprägt hat– auch ganz konkret in ihrer Region.

Jahrgang 8 wurde durch den bekannten TikToker Anwar (s. Foto) für das Thema Rassismus sensibilisiert – mit klaren Botschaften, wie Alltagsrassismus erkannt und entgegnet werden kann. Gut kam bei den Schüler:innen auch an, dass deutlich gemacht wurde: Rassismus muss nicht hingenommen werden – er kann und darf auch angezeigt werden. Dabei ging es nicht darum, jede Anfeindung rechtlich zu verfolgen, sondern darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass rassistische Angriffe kein „Kavaliersdelikt“ darstellen, sondern oft einen Straftatbestand. Diese Botschaft erreichte die Schüler:innen – man konnte es in der regen Beteiligung und an der Ernsthaftigkeit der Rollenspiele und Erklärvideos sehen, die im Anschluss in Kleingruppen gedreht wurden.
Besonders eindrucksvoll war die Veranstaltung in Jahrgang 9: Ein Aussteiger aus der Neonazi-Szene berichtete von seinem Weg in und aus dem rechten Extremismus. Eindrucksvoll schilderte er, wie verhängnisvoll biographische Krisen sein können, wenn Extremisten sie für ihre Zwecke ausnutzen. Er sprach darüber, wie schnell man sich an Hass, Gewalt und Exzess gewöhnen kann – und wie sehr das Leben anderer und das eigene dabei zerstört werden. Gleichzeitig zeigte er auf, wie Vergebung und Güte Menschen verändern können – bis hin zum Entschluss, sich aktiv gegen den Hass zu engagieren. Die Schüler:innen hörten überaus aufmerksam zu und stellten viele Fragen – biographische, politische, aber auch philosophische.
Die Schüler:innen der EF nahmen an einer besonderen Filmschau teil. Gezeigt wurde The Zone of Interest – ein eindringlicher Film über die Normalität des Grauens am Rande von Auschwitz. Der Film regt zur kritischen Auseinandersetzung mit moralischer Gleichgültigkeit, Mitläufertum und der Verantwortung des Einzelnen in totalitären Systemen an.
Selbstgestaltet, selbstmoderiert: Schüler:innen übernehmen Verantwortung
Der diesjährige Couragetag zeichnete sich besonders durch die Eigeninitiative der Schüler:innen aus. Zahlreiche Programmpunkte – von Workshops bis hin zu Reden – wurden in Eigenregie geplant und durchgeführt. Dieses Engagement trug maßgeblich zur Tiefe und Vielfalt der Auseinandersetzung bei.
In Jahrgang 10 übernahmen Schüler:innen selbst die Verantwortung: Sie bereiteten Workshops für andere Jugendliche vor und stärkten damit die Idee, dass Courage im Alltag beginnt – durch eigenes Handeln und offene Gespräche. Am späten Vormittag stand dann ein Kinobesuch auf dem Programm. Die Schüler:innen schauten sich Kontra an. Der Film fördert eine Auseinandersetzung mit sprachlichen Grenzüberschreitungen, Vorurteilen und der Frage, wie eine respektvolle Streitkultur gelingen kann – gerade im schulischen Kontext.

In der Q1 moderierten Schüler:innen selbstständig einen Workshop-Tag mit vielfältigen Angeboten: von einer Talkrunde mit dem Courage-Paten Hüseyin Tas (s. Foto), über eine Diskussion zu Sexismus bis hin zu Workshops über Rassismus und Faschismus.

In der Aula hielten ausgewählte Abiturient:innen der Q2 eindrucksvolle Reden zum Thema Courage. Persönlich und pointiert sprachen sie über Erfahrungen mit Ausgrenzung, über den Mut zur Zivilcourage und darüber, wie wichtig ein respektvolles Miteinander ist – in der Schule und darüber hinaus.
Der Couragetag hat eindrucksvoll gezeigt: Zivilcourage lässt sich lernen – im Gespräch, im Perspektivwechsel und im gemeinsamen Erleben. Die Schule lebt damit ihr Motto Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage auf überzeugende Weise.
Juniorwahl und Barcamp im Fach Sozialwissenschaften
„Eines der obersten Ziele schulischer Bildung überhaupt ist es, junge Menschen zu befähigen, sich in der modernen Gesellschaft zu orientieren und politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen und Probleme kompetent zu beurteilen. Dabei sollen sie ermuntert werden, für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Gerechtigkeit, wirtschaftliche Sicherheit und Frieden einzutreten. Diesem übergeordneten Ziel sind grundsätzlich alle Unterrichtsfächer verpflichtet, insbesondere aber die des gesellschaftswissenschaftlichen Bereichs.“ (https://www.kmk.org/).
Dieser Zielsetzung möchten wir als Gesamtschule Seilersee gerecht werden. Es ist uns als Kollegium ein Anliegen – vor allem in politisch unruhigen Zeiten – unseren Schülerinnen und Schüler demokratisches Engagement im Rahmen schulischer Aktivitäten anzubieten, vorzuleben und zu würdigen.
Es sind an unserer Schule kleinere Bausteine, die zur Demokratiebildung beitragen: Unser Klassenrat, die Jahrgangsstufenversammlungen, Projekte zur Erinnerungskultur, der Projekttag gegen Rassismus uvm.
Ein weiterer Bestandteil unserer Demokratiebildung war in diesem Schuljahr die Juniorwahl in den Jahrgangsstufen 10 bis 13. Im Vorfeld der Bundestagswahl am 23.2.25 nahmen die GL-Kurse des zehnten Jahrgangs sowie die Philosophie- und Religionskurse der Oberstufe (EF und Q1) an dem Projekt teil. Im Unterricht wurden Themen wie das Wahlsystem, Parteiprogramme sowie Tools wie der Wahl-O-Mat behandelt und kritisch reflektiert.
Wie bei der echten Bundestagswahl bildeten sich Wahlvorstände, bestehend aus freiwilligen Helfer:innen der Jahrgänge 10, 12 und 13, die die Durchführung unterstützten. In insgesamt sieben Wahlgängen gaben 213 Schülerinnen ihre Stimme ab. Eine Gruppe von Wahlhelfer:innen zählte am letzten Wahltag die Stimmen aus und übermittelte das Ergebnis an die Plattform der Juniorwahl.

Gemeinsam mit den ersten Prognosen zur Bundestagswahl um 18 Uhr am Wahlsonntag, erhielten auch wir das Ergebnis für unsere Schule. Die meisten Zweitstimmen konnte Die Linke auf sich vereinigen (26,3%), gefolgt von der AfD (20,5%) sowie der SPD mit 16,1 Prozent und der CDU mit 13,7 Prozent. Das BSW erreichte 6,8 %, während FDP und Grüne unter 5 Prozentpunkten blieben. Das Rennen um das Direktmandat (Erststimme) konnte ebenfalls Die Linke (25,4%) vor AfD, SPD und CDU für sich entscheiden.
Eine Nachwahlbefragung in den Kursen, die an der Juniorwahl teilgenommen haben, ergab folgende Ergebnisse:



Die Juniorwahl bot den Schüler:innen eine konkrete Möglichkeit, politische Partizipation zu erleben und demokratische Prozesse praktisch nachzuvollziehen.
Einen anderen Zugang zur politischen Bildung ermöglichte das Barcamp der Sozialwissenschaftskurse der Q2. Am 23. März luden diese die interessierte Öffentlichkeit, das Kollegium sowie die ihre Mitschüler:innen aus den Religions- und Philosophiekurse der Q1 zur Diskussion gesellschaftspolitischer Fragestellungen ein.
In drei Schienen konnten die Teilnehmenden zwischen jeweils zwölf selbstgewählten Themen wählen – zum Beispiel:
- Sollte Deutschland die Nutzung von KI regulieren?
- Sollte der Paragraph 218 zum Abtreibungsrecht im Strafgesetzbuch gestrichen werden?
- Sollte die Todesstrafe in Deutschland eingeführt werden?
- Sollten Männer ein Recht auf Mitsprache bei Abtreibungsentscheidungen haben?
- Sollte das Grundrecht auf Glück in der Verfassung verankert werden?
Diese Themen wurden von den Schüler:innen über das Schuljahr in Projektgruppen vorbereitet. Ein internes Barcamp diente zur Übung, bevor das öffentliche Barcamp mit zusätzlicher Expertise durch externe Fachleute durchgeführt wurde.

Am Ende des Barcamps zogen die Schülerinnen und Schüler zum einen inhaltlich ein Fazit, z. B. „Eine moderate Erhöhung der Steuern für Großunternehmen könnte sinnvoll sein – allerdings nicht als Allheilmittel gegen soziale Ungleichheit, sondern als ein Baustein von mehreren (…).“ oder „Die Diskussion machte deutlich, dass die Todesstrafe nicht nur eine juristische, sondern vor allem eine ethische und moralische Frage ist. Während in Einzelfällen die emotionale Reaktion nach harten Strafen verständlich sein mag, zeigte die Mehrheitsmeinung auf dem Barcamp klar, dass die Todesstrafe mit unseren Werten unvereinbar ist.“
Zum anderen stellten die Schülerinnen und Schüler der Q2 fest, was es heißt, in Diskussionen als Teilnehmende oder Moderierende auch die Erfahrung zu machen, dass Demokratie heißt, andere Meinungen auszuhalten und dass es durchaus Anstrengung bedeuten kann, seiner eigene Meinung Gehör zu verschaffen. Auch die Rolle aus Moderator/Moderatorin war zum Teil herausfordernd. Zum Beispiel berichtete eine Schülerin: „(…) allerdings führte die intensive Auseinandersetzung mit der Unternehmensbesteuerung dazu, dass die Gewichtung der Debatte aus dem Gleichgewicht geriet. Gegen Ende wurde es sogar so schwierig, die Diskussion zu beenden, da viele Teilnehmer so vertieft in Detailfragen waren, dass sie kaum noch auf die Moderation und Zeitvorgabe achteten. Dies zeigte mir zwar das große Interesse am Thema, machte aber auch deutlich, wie leicht eine solche Debatte von ihrem ursprünglichen Ziel abweichen kann.“
So zeigte sich am Ende beider Projekte: Politische Bildung lebt nicht nur von Wissen, sondern vor allem vom Erleben, Mitmachen und Aushandeln. Die Rückmeldungen der Schüler:innen machten deutlich, dass sich der Einsatz für Demokratiebildung lohnt – auch wenn er manchmal herausfordernd ist.
Klassenrat und Jahrgangsversammlung
Der Klassenrat und die Jahrgangsversammlung sind Elemente, die zur Demokratiebildung beitragen. Mittels einer festgelegten Struktur diskutieren die Schüler:nnen miteinander und finden Lösungen, z. B. für klasseninterne oder jahrgangsbezogene Konflikte oder Angelegenheiten.
Der Klassenrat (KlaRa) bildet den Wochenabschluss.
Diese Stunde (häuft freitags, letzte Stunde) ist fest im Stundenplan verankert und besitzt zwei Schwerpunkte:
- Die Reflexion der Woche / des Lernfortschrittes / der Ziele: Die Schülerinnen und Schüler reflektieren ihre persönlichen Wochenziele und das Klassenziel. Darüber hinaus überprüfen sie, welche Aufgaben/ Kompetenzen ggf. noch nicht vollständig bearbeitet wurden. Anschließend kontrolliert das Klassenlehrerteam die entsprechenden Logbuchseiten.
- Das Erlernen des demokratischen Miteinanders und der Partizipation: Die Themen des Klassenrates werden nicht vorgegeben, sondern entstehen aus den Bedürfnissen der einzelnen Klasse oder von einzelnen Schülerinnen und Schülern. Dabei kann es um die Gestaltung des Klassenraums, der Organisation des Lernens, besondere Ereignisse, Probleme und Konflikte gehen.
Verhaltensregeln, Absprachen und strukturierte Abläufe bilden das Grundgerüst des Klassenrates. Der Ablauf wird durch bestimmte Rollenzuweisungen (z.B. Gesprächsleitung, Regelwächter, Protokollierende) ritualisiert und selbstständig von den Schülerinnen und Schülern gestaltet. Ein wesentlicher Aspekt des Klassenrates ist das demokratische Miteinander, welches häufig Lösungen oder Vorschläge hervorbringt. Diese werden durch den Protokollierenden schriftlich festgehalten, sodass darauf zurückgegriffen werden kann.
Jahrgangsversammlung
Neben dem Klassenrat werden auch Jahrgangsversammlungen durchgeführt, welche den gleichen Ablauf aufweisen wie die Klassenräte und ein Baustein unserer Demokratiebildung ist. Hier können zum Beispiel jahrgangsweise Entscheidungen getroffen werden oder auch besondere Leistungen von Schüler:innen gewürdigt werden. Insgesamt finden vier Jahrgangsversammlungen pro Schuljahr statt. Die Jahrgangsversammlungen finden in der Aula oder Mensa statt und die Kinder werden von ihren Klassenlehrer:innen begleitet.
